Höher, schneller, bunter, weiter – der Markt rund um Produkte verändert sich rasant. Wo unsere Eltern und Großeltern auf Langlebigkeit und hohe Qualität ihrer Investitionen achteten, tendieren wir zum „Neuesten“. Hersteller verkürzen Produkt-Lebenszyklen mittels „geplanter“ Obsoleszenz zusätzlich. Kurz nach Ablauf der Herstellergarantie geht das Gerät kaputt. Reparaturen sind teurer als ein Neugerät. Müllgebühren werden ausgeblendet – diese zahlt ja (noch) die Gemeinschaft. Nachhaltig ist das nicht.

Seinerzeit als Managerin in der Investitionsgüter-Industrie und heute als Gemeinwohl-Unternehmerin verfolge ich diese Entwicklung schon seit Jahren wachsam. Ich kristallisiere die zentralen Fragen heraus, stelle sie zur Diskussion und suche nach Erfolgs- und Misserfolgsbeispielen, anhand derer wir gemeinsam lernen können. Daraus abgeleitet lauten meine Thesen zu „Produkt & Projekt“, unserem diesjährigen Motto fürs PM Camp Stuttgart:

Erfolgreiches Produkt- & Projekt-Management für kleine und mittelständische Firmen

Sinnvoll wirtschaftende Hersteller im Bereich Investitionsgüter und Business to Business …

  • haben eine klar umrissene Gruppe an Wunschkunden, für die sie exzellente Komponenten und Leistungen zu personalisierten Systemen weiterentwickeln.
  • pflegen enge Geschäftsbeziehungen auf Augenhöhe – betrachten Lieferanten wie Kunden als Partner im kollaborativen Erfolg.
  • verteilen die Beobachtung des Marktes und die Kreation von Produkt-Ideen und Lösungen auf die gesamte Firma und ihre Community.
  • setzen bei der Entwicklung und Realisierung ihrer Systeme auf engpass-zentrierte Strategie, die den Bedarf aller beteiligten Geschäftspartner in den Mittelpunkt stellt – nicht mehr und nicht weniger.
  • entwickeln im intensiven Austausch mit ihren Partnern ein gemeinsames Verständnis von Wert und Nutzen der gemeinschaftlich erbrachten Leistungen (Stichwort WertVerträge).
  • können Schwarmintelligenz pfiffig für die Produktentwicklung und Markteinführung nutzen, indem sie beispielsweise über agile Methoden Varianten und Prototypen testen und die Komplexität ihrer Systeme reduzieren.
  • sind als Firma selbstorganisierend und holakratisch aufgebaut – wodurch sie resilient und anpassungsfähig für zukünftige Entwicklungen sind.
  • entscheiden sich bewusst für eine humanistische Wirtschaft. Sie bekennen sich zu Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft, weil ihnen Menschen am Herzen liegen. Nicht aus Gründen des Profits oder der Kosten – sondern weil sie gelassen, sinngekoppelt und erfolgreich leben und arbeiten wollen.

Mit Komponenten zu Systemen – die zentralen Fragen für KMU

Neben den Themen, denen wir uns im Zusammenhang mit dem PM Camp Stuttgart im Spannungsfeld Produkt & Projekt in diesem Jahr stellen, beschäftigen mich folgende Fragen:

  • Was macht Produkt-Entwicklungs- und Markteinführungsteams heute erfolgreich? Wie arbeiten sie und wie sind sie strukturiert?
  • Wie gelingt es, eine Community aufzubauen und zu binden?
  • Welche Beispiele für Tops und Flops gibt es und was können wir daraus lernen? (Hier interessieren mich am meisten nachhaltig wirtschaftende Unternehmen.)
  • Wo sind die Stellschrauben, an denen wir drehen müssen, dass eine Firma besser läuft?
  • Wie gelingt es am besten, die unternehmerische Wette eines neuen Produktes – und nichts anderes sind Produktideen und Markteinführungen – zu gewinnen?
  • Wie verschaffen wir uns den Freiraum, Zukunft aktiv gestalten zu können? Wie gelingt es, dies heutigen und zukünftigen Generationen ebenso zu ermöglichen?

Fazit

Erfolgreiche Firmen haben erfolgreiche Produkte. Oftmals greifen diese Systeme aus modularen Komponenten und Leistungen so ineinander, dass sich Synergien ergeben. Sie stiften einen hohen Nutzen für eine spezifische Wunschkunden-Gruppe. Denn sie sind definiert an den Bedürfnissen der Anwender.

Gleichzeitig sind es oft pfiffige, innovative Lösungen. Die Beteiligten auf Hersteller- und Abnehmer-Seite pflegen wertschätzende Geschäftsbeziehungen auf Augenhöhe. Mit dieser ihrer Community stehen sie in engem, persönlichen Austausch. Den Menschen liegen ihnen am Herzen und für sie entwickeln und vertreiben sie ihre Produkte.

In diesem Sinne: bleibt neugierig,
Franziska

 

Da geht noch was

Angeregt durch die Diskussionen im PM Camp Stuttgart-Team und mit Geschäftspartnern rufe ich auf zur Blogparade. Ich freue mich über Praxisbeispiele. Ich freue mich über Meinungen von Experten aller Disziplinen und Branchen. Ich freue mich genauso über Fragen wie über einen kontroversen Diskurs. Mehr erfährst Du via Blogparade “Kein Produkt ohne Projekt?”.