Vielfach wird eine scharfe Trennung zwischen Produkt und Projekt wahrgenommen. Umso überraschender wirkt die Tatsache, dass es kein Produkt ohne Projekt gibt. Warum scheitern aber so viele Produkte? Es gibt viele Untersuchungen, die eine Flop-Rate zwischen 30 – 50% und teilweise sogar noch mehr, bestätigen. Kein Unternehmen kann sich, auch angesichts des stetig anwachsenden Innovationsdruckes und der damit verbundenen notwendigen Zunahme der Innovationsgeschwindigkeit, solche Misserfolge auf Dauer leisten.

Zu den Ursachen gehören u.a. die fehlende Passgenauigkeit des Produktes in Bezug auf die anvisierten Nutzer. Dabei spielt nicht nur die fehlende Wahrnehmung und Wertigkeit des Nutzens eine Rolle, sondern auch die gefühlte „Erlebens-Welt“ mit dem Produkt. Es reicht nicht mehr, nur erwartungskonforme Eigenschaften in ein Produkt zu „verpacken“. Erfolgversprechende Produkte müssen heute, laut dem Kano-Modell, „begeisternde“ Produkt-Eigenschaften aufweisen. Hinzu kommt, dass sich die heutigen, mehr denn je mitteilenden, Konsumenten, doch vielfach „labil“ hinsichtlich der Zuordnung zu einer eindeutigen Zielgruppe verhalten und sich mehr in temporär veränderlichen Bedürfnisgruppen zugehörig fühlen.

Ein Vorwurf an die klassischen Produkt-Entwicklungs-Methoden lautet, dass diese nur geringe Möglichkeiten der Iteration und der Verarbeitung von Feedback-Erkenntnissen, bieten. So hat sich lange Zeit eine strikt sequentielle Folge „zuerst Produkt-Design und Planung und danach die Produkt-Entwicklung im Projekt“, auch im Denken, manifestiert. Muss aber angesichts der obigen Entwicklungen nicht eine Verzahnung von beidem, zumindest ab einem gewissen Reifegrad in der Produkt-Planung, erfolgen? Neuere Ansätze fordern so früh als möglich und kontinuierlich ein reales Nutzer-Feedback zur Überprüfung der Produkt-Annahmen und –Ideen, meist schon im frühen Prototypen-Stadium. Die daraus resultierenden Erkenntnisse fließen in den Prozess zurück und verändern sowohl Produkt als auch Projekt. Welche Projekt-Management-Methoden haben dabei einen Vorteil? Wer ist in den Teams und wie gehen die Menschen dabei miteinander um? Gibt es den „richtigen“ Weg?

Die beschriebenen Gedanken zu dem Thema „Produkt und Projekt“ unseres diesjährigen PMCamp Stuttgart 2015 sind nur ein erster Blick auf den Ideen-Raum, den wir diesjährig mit dem Motto aufspannen. In dem vollen Bewusstsein dieser thematischen Unschärfe erhoffen wir uns interessante Beiträge, Provokationen, Erfahrungen und Diskussionen.